Traditionelle Hochzeitsessen
berall auf der Welt ranken sich besondere Bräuche um eine Hochzeit. So war in Westfalen der günstigste Zeitpunkt für das Heiraten "zwischen Säen und Mähen" angesiedelt. Da hatte man genug Zeit, ausgiebig zu feiern, denn eine westfälische Hochzeit dauerte bis zu 8 Tagen.

Hochzeitstage waren aber nicht das Fest der Brautleute und ihren engsten Familienkreises, sondern auch das der Nachbar, der großen Verwandtschaft und oft- bei Bauernhochzeiten - des ganzen Dorfes. Ein Hochzeitsbitter ging, festlich gekleidet, tagelang von Haus zu Haus und lud mit einem Spruch zum Fest ein. Daraufhin sorgten dann die Nachbarn einige Tage vor dem Fest für die Ausstattung der Räume! Das waren häufig Küchendiele und Tenne, auf denen vielen Gäste Platz fanden.

uch heute noch sieht man in vielen Ortschaften Leiterwagen fahren, voll beladen mit frischen, jungen Birken oder Tannen. Sie im Wald zu schlagen ist Sache der Männer. Die Frauen dagegen sitzen in großer Runde beisammen und drehen Hunderte von weißen Papierröschen. Diese werden an das Spalier der Bäume angebracht, die mittlerweile den Eingang zum Festraum zieren. Natürlich wird dabei an frischen Kuchen, an Schnittchen, "Korn" und Bier nicht gespart.
Die Brauteltern bereiten, damals wie heute, die Bewirtung der Gäste von langer Hand vor. Sie schlachten dazu eigens, je nach Anzahl der Geladenen, ein bis zwei Schweine und ein Rind. Zum Kochen am Festtag bestellten sie eine "Kochfrau".

ie Speisenfolge war zwar streng geregelt, jedoch ist sie in den Landesstrichen unterschiedlich. Im Westfälischen Teil des Ruhrgebietes und im südlichen Westfalen wurden außer einer kräftigen Rinder-Hühner-Brühe mit Einlagen als Zwischengericht gekochtes Hühnerfleischragout gereicht.

Anschließend gab es einen saftigen Schinkenbraten und dazu Sauerkraut mit weißen Bohnen. Das Gericht rührt schon aus dem Mittelalter her, als man noch keine Kartoffeln kannte und das Kraut deshalb mit Bohnen anreicherte.
Den Abschluss des Hochzeitsessens bildete hier der Nachtisch, der wenigstens aus drei verschiedenen Desserts bestehen musste; immer mit dabei war der dicke Milchreis.
m Münsterland hielt man es - wenigstens auf den Höfen mit ertragreichem Kleiboden - üppiger. Nach der Suppe wurde dann in Scheiben geschnittene Suppenfleisch mit einer Zwiebel- oder Meerrettichsauce serviert und vom noch warmen Suppenteller gegessen. Beilagen dazu waren häufig nur Gewürzgürkchen. Heute -  das Zwiebelfleisch ist immer noch sehr beliebt -  reicht man dazu grüne Salate in Sahnesauce oder einen herzhaften Kartoffelsalat. Der Hauptgang des Hochzeitsessens bestand früher aus zwei Braten -  dem Rinderfilet und einem Schweinebraten (häufig auch gebratene Schnitzel). Dazu reichte man große Gemüseplatten herum. Den Nachtisch bildeten auch hier verschiedene Desserts. (Die Rezepte zu den besonderen Gerichte findet ihr unter Menü 1 und Menü 2).

ach dem Mittagessen besichtigte die Hochzeitgesellschaft das Anwesen, die Frauen begutachteten besonders gern die gut gefüllten Truhen und Schränke der Braut.
Zum Kaffee wurden süßer Stuten, Korinthenbrot und Platenkuchen (= mit Pflaumen oder Apfelmus belegter Kuchen vom Blech) aufgetragen. Den Abend beschloss man mit Wurstbrötchen oder Töttchen. Auch am letzten Tag der Festwoche, nach dem Abschmücken, wurden diese beiden Gerichte noch bevorzugt.
Die Geschenke für das Brautpaar waren übrigens wertvoll und sinnträchtig. Während die Verwandtschaft Geld- oder Sachgeschenke machte, überreichten die Nachbarn Schinken, Brot und Salz- Gott erhalt's.
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